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Details machen den Unterschied

Würzburg (POW) Mit dem ersten Adventssonntag beginnt das neue Kirchenjahr und mit ihm das Lesejahr C. Zu diesem Termin wird auch das neue Lektionar offiziell eingeführt, dessen Texte der revidierten Einheitsübersetzung der Bibel von 2016 entnommen sind. Welche Änderungen auf die Gläubigen zukommen, erfuhren rund 30 Lektorinnen und Lektoren aus dem Raum Würzburg am Dienstag, 20. November, bei einer Schulung im Würzburger Burkardushaus.

Das Verhältnis vieler Katholiken zur Bibel ist anders als das vieler Protestanten, verdeutlicht eine Umfrage, die Referent Stefan Heining, Pastoralreferent im Fortbildungsinstitut (fbi), zum Einstieg unter den Teilnehmern durchführt: Nur die wenigsten haben eine Antwort parat, wenn es darum geht, welche Bibelausgabe oder -übersetzung in ihrer Kindheit zuhause in Gebrauch war. „Bei uns stand daheim eine Bibel. Aber nur zum Anschauen. Für Glaubensfragen haben wir immer in den Katechismus geschaut“, berichtet eine Ordensfrau.

Warum aber wurde die Einheitsübersetzung von 1980, deren Name daher rührt, dass es sich um eine einheitliche Übersetzung für den gesamten deutschen Sprachraum handelt, überhaupt überarbeitet? „Als 2003 die Entscheidung für eine Revision fiel, wurde als Kriterium unter anderem festgelegt, dass die Übersetzung aus dem Urtext nach aktuellem Stand der Textforschung erfolgen solle – in gutes Deutsch bei maximaler Texttreue“, erklärt Heining. Korrigiert worden seien sachliche Fehler und stilistische Mängel.

Als eine Folge würden Frauen sichtbarer. Das letzte Kapitel des Matthäusevangeliums war in der Einheitsübersetzung von 1980 mit „Die Botschaft des Engels am leeren Grab“ überschrieben. Da die Ersten an Jesu Grab Frauen gewesen seien, stehe in der aktualisierten Version als Titel „Die Frauen am leeren Grab“, erläutert Heining. Auch in den Anreden der Briefliteratur würden Frauen sichtbarer – im Bewusstsein, dass mit der griechischen Anrede „adelphoi“ beide Geschlechter gemeint seien. So heißt es im ersten Korintherbrief beispielsweise jetzt „Seht doch auf eure Berufung, Brüder und Schwestern“, wo bislang bloß von Brüdern die Rede war. In Kapitel 16 des Römerbriefs wurde aus „Junias“ die korrekte „Junia“, deren Frauenname vielfach in antiken römischen Texten belegt sei – ganz im Gegenteil zum männlichen „Junias“ in der alten Übersetzung. Das sei insofern bedeutsam als es dort heißt: „Grüßt Andronikus und Junia, die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie ragen heraus unter den Aposteln.“ Dass „Apostel“ gemeinhin mit den zwölf Männern um Jesus asoziiert werde, sei der Prägung durch die Apostelgeschichte des Lukas zu verdanken, sagt der Referent, der diözesaner Ansprechpartner für Bibelpastoral ist.

Eine weitere wichtige Änderung verdeutlicht Heining mit der neuen Übersetzung des Namens Gottes: Wo die Einheitsübersetzung von 1980 noch „Jahwe“ schreibe, findet sich in der neuen Version „Herr“, in der Schreibweise mit Kapitälchen. „Diese Wiedergabe erfolgt in Anlehnung an das Judentum, das Gott aus Respekt vor ihm keinen Namen gibt, sondern ihn mit dem hebräischen Wort Adonai (‚Herr‘) bezeichnet.“

Die alte Einheitsübersetzung war im Druck teilweise einspaltig. Das neue Layout dagegen ist durchgehend zweispaltig. „Es hat zudem deutlich weniger Anmerkungen, die zum Teil den Lesefluss störten“, erläutert Heining. Komplett überarbeitet präsentiere sich auch der Anhang mit Erklärungen, Namens- und Begriffsregister. „Zu den biblischen Orten gibt es jetzt auch GPS-Daten.“ Ebenso seien die Karten und Zeittafeln aktualisiert worden. Dass jegliche Übersetzung immer in einem Spannungsfeld steht, verdeutlicht Heining mit den ähnlich klingenden italienischen Begriffen „traduttore“ („Übersetzer“) und „traditore“ („Verräter“). „Jede Übersetzung verrät immer ein wenig den Text, verrät aber gleichzeitig etwas über den Text.“

In Arbeitsgruppen eingeteilt gehen die Frauen und Männer zum Ende des Abends anhand dreier Bibelstellen aus dem Buch Genesis, den Psalmen und dem Lukasevangelium an den Vergleich zwischen alter und revidierter Einheitsübersetzung. Das Fazit der Gruppe ist ausgewogen: Bei einigen Passagen bringe die neue Übersetzung erhellende Nuancen, mitunter bringe die näher am Urtext orientierte Übersetzung aber den Text weiter weg vom gewohnten Sprachgebrauch – zum Beispiel, wenn Jesus statt „Du sollst wieder sehen“ zum Blinden „Sei sehend!“ sagt.

Das neue Lektionar bringt in der Praxis außer dem revidierten Text vor allem aber eine praktische Neuerung mit, wie die Runde beim gemeinsamen Blick in das neue Exemplar befindet: Am Ende jeder Lesung ist die Schlussakklamation „Wort des lebendigen Gottes“ gedruckt. Niemand muss also mehr fürchten, am Ende der Lesung diesen Schlusssatz zu vergessen oder gar falsch zu improvisieren.

Für alle, die sich selbst näher mit der neuen Einheitsübersetzung beschäftigen wollen, gibt es ein Taschenbuch vom Katholischen Bibelwerk: Katrin Brockmöller: „Die neue Einheitsübersetzung entdecken“. 67 Seiten, 6,90 Euro, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2017, ISBN 978-3944766911.

Weitere Informationen zur Bibelpastoral in der Diözese gibt es unter www.bibel.bistum-wuerzburg.de.

mh (POW)

(4818/1215; E-Mail voraus)

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